Pflege und Betreungskonzept

1.1          Ziel des Pflege- und Betreuungskonzepts

 

 

 

Das vorliegende Pflege- und Betreuungskonzept bildet die Grundlage des pflegerischen Handelns im Alters- und Pflegeheim Egnach. Es dient den pflegenden Mitarbeitenden als Handlungsorientierung.

 

Grundsätzlich werden in diesem Konzept gendergerechte Bezeichnungen verwendet. Ist dies nicht möglich wird auf die weibliche Formulierung zurückgegriffen, diese gilt gleichermassen für beide Geschlechter.

 

 

 

1.2          Beschreibung der Infrastruktur

 

 

 

Unser Haus bietet gesamthaft 17 älteren Menschen in verschiedenen Lebenssituationen einen entsprechenden Wohn- und Lebensraum an. Das Heim verfügt über  Einzelzimmer sowie  Zweierzimmer für leicht bis schwer pflegebedürftige Personen.

 

 

 

 

 

2 Leitbild Pflege und Betreuung

 

 

 

2.1 Achtung der Würde und Integrität

 

 

 

n Wir respektieren unsere Bewohnenden in ihrer Einzigartigkeit, mit ihrer Biografie und ihren Gewohnheiten wie Bedürfnissen.

 

n Wir erhalten und unterstützen die Selbständigkeit, Entscheidungsfähigkeit und die Ei-genverantwortlichkeit der Bewohnenden.

 

n Wir begegnen ihnen mit Wertschätzung und orientieren uns an ihren Ressourcen. Ihre Kompetenzen und Fähigkeiten werden systematisch erhoben, gezielt erhalten und ge-fördert.

 

n Wir gestalten unsere Beziehungen zu den Bewohnenden liebevoll, konstruktiv und mit ei-ner professionellen Haltung gegenüber Nähe und Distanz.

 

n Die Privatsphäre der Bewohnerinnen und Bewohner wird gewährt. Falls diese verletzt wird, wird dies thematisiert und wenn nötig werden Massnahmen zur Verbesserung eingeleitet.

 

 

 

 

 

2.2 Lebensqualität

 

 

 

Die Lebensqualität der Bewohnerinnen und Bewohner hat in unserer Institution einen zentralen Stellenwert. Sie erleben Wohlbefinden und ein Gleichgewicht zwischen Autonomie und Sicherheit.

 

Die Selbst- und Mitbestimmung wird beachtet und gefördert, sowohl in der täglichen Pflege und Betreuung wie auch der Tagesgestaltung.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Die Bewohnenden haben die Möglichkeit, ihren Tagesablauf weitestgehend selber zu bestimmen. Es gibt keine verbindlichen Zeiten, wann die Bewohnenden aufstehen und ihren Tag beginnen, ebenso sind sie absolut frei und autonom, wann sie den Tag abschliessen und sich zur Ruhe begeben möchten. Die Bewohnerinnen und Bewohner sind in ihrer Entscheidung frei, wann sie im Tagesverlauf Ruhephasen für sich beanspruchen möchten oder aktiv sein möchten.

 

Die Bewohnenden bestimmen, wann sie essen möchten. Wir verfügen über die Möglichkeit, jederzeit ein Essen zu regenerieren.

 

Auch bei körperlichen, psychischen und sozialen Einschränkungen ist es uns wichtig, dass die Bewohnenden Lebensqualität erleben dürfen, dazu gehört für uns auch eine würdevolle Begleitung in der letzten Lebensphase.

 

 

 

2.3 Information und Orientierung der Bewohnenden

 

 

 

Alle unsere Zimmer verfügen über Radio- und TV-Anschluss.

 

Wichtige Informationen zu Veranstaltungen, Aktivitäten, dem Menu oder zum Betrieb allgemein werden allen Bewohnenden mitgeteilt und an der  Informationstafel publiziert.

 

Für alle Bewohnenden ist es wichtig zu wissen, dass sie bei gesundheitlichen Veränderungen oder im Notfall mittels Zimmernotruf sich melden können.   

 

Von Seiten Pflege und Betreuung wird den Bewohnenden regelmässig ihren Pflegebedarf sowie die Massnahmen und Ziele aufgezeigt.

 

Uns ist wichtig, dass die Kommunikation mit den Bewohnenden ihrem gesundheitlichen Zustand und ihrer Kognition angepasst ist.

 

Drei Wochen nach Eintritt findet ein Gespräch mit der Bewohnerin oder dem Bewohner sowie ihrer zuständigen Vertrauensperson (Angehörige) statt. Darin wird die momentane Lebenssituation nochmalig beleuchtet. Das Resultat der BESA-Einstufung wird erklärt und gegenseitige Fragen und Unklarheiten besprochen. Von Seiten der Institution sind die Heimleitung anwesend, individuell oder je nach Situation können andere Fachpersonen (z.B. Physiotherapie etc.) beigezogen werden.

 

 

 

 

 

2.4 Angehörige

 

 

 

Die Angehörigen sind ein wichtiger Teil im Leben unserer Bewohnerinnen und Bewohner. Sie werden bei der Biografiearbeit einbezogen wie auch bei der Erstbeurteilung des Einstufungsinstruments BESA falls ergänzende Auskünfte nötig sind oder die BewohnerInnen nicht mehr genügend über ihre Gewohnheiten und ihre Vergangenheit orientiert sind.

 

In unserem Haus gibt es keine Besuchszeiten, was den Bewohnenden und ihren Angehörigen oder sonstigen Besuchern ein grosses Zeitfenster gibt, um sich zu begegnen. Die Angehörigen sind informiert, dass bei Bedarf jederzeit eine Pflegefachperson als Ansprechperson in Anspruch genommen werden kann. Bei Veränderungen des Zustandes ihres  Angehörigen oder akuten Ereignissen wie z.B. Stürzen wird die für uns definierte Ansprechperson umgehend informiert.

 

Wenn für einen Bewohner oder eine Bewohnerin die erste Pflegeeinstufung erstellt worden ist, werden die Angehörigen und falls möglich der Bewohnende von der Leitung Pflege und der Institutionsleitung zu einem Familiengespräch eingeladen. Im Gespräch wird die

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Pflegeeinstufung erklärt und Fragen beantwortet. Ebenso können Wünsche und Anliegen von Seiten der Bewohnenden und Angehörigen aufgenommen und Notwendiges aufgegleist werden. Es werden auch immer wieder Fragen zur Finanzierung gestellt, welche von der Institutionsleitung beantwortet werden können. Bei Bedarf kann die Pro Senectute Beratung Romanshorn beigezogen werden.

 

 

 

2.5 Soziales Umfeld

 

 

 

Wir unterstützen und stärken das soziale Netz der Bewohnenden. Das gemeinsame Mittagessen ist bereits ein Anlass, an dem die Bewohnenden Kontakte knüpfen können. Wir fördern die Teilnahme am gesellschaftlichen Leben innerhalb unserer Institution, respektieren aber auch, wenn jemand nicht an den Veranstaltungen/Aktivitäten teilnehmen will.

 

 

 

2.6 Veränderungen in der Kontinuität der Lebensgestaltung

 

 

 

Die Bewohnerinnen und Bewohner werden auf Veränderungen in der Lebensgestaltung vorbereitet. Wir informieren sie über ihren Pflegebedarf, den Verlauf ihrer Krankheit und möglichen Auswirkungen.

 

Die Patientenverfügung ist für uns ein wertvolles Instrument, auf mögliche Veränderungen des Gesundheitszustands und Wünsche zu ihrer Lebensgestaltung einzugehen. Wir sind stets bedacht, bei den Massnahmen ihre Ressourcen und Bedürfnisse soweit wie möglich einzubeziehen.

 

Bei Veränderungen des Gesundheitszustandes wird dies mit ihnen und gegebenenfalls mit den Angehörigen besprochen.

 

 

 

2.7 Biografie

 

 

 

Die Biografiearbeit verstehen wir als wichtigen Bestandteil um die Ganzheit des Menschen wahrnehmen und beachten zu können. .

 

 

 

3 Leitlinien in Pflege und Betreuung

 

 

 

3.1 Grundsätze

 

 

 

Die Pflege orientiert sich am Pflege und Betreuungskonzept des Alters- und Pflegeheims Egnach.

 

 

 

3.2 Ethik

 

 

 

n Die grundlegende berufliche Verantwortung der Pflegenden gilt dem pflegebedürftigen Menschen.

 

n Bei ihrer beruflichen Tätigkeit fördert die Pflegende ein Umfeld, in dem die Menschen-rechte, die Wertvorstellung, die Sitten und Gewohnheiten sowie der Glaube des Einzelnen, der Familie und der sozialen Gemeinschaft respektiert werden.

 

n Die Pflegende gewährleistet, dass der Pflegebedürftige ausreichende Informationen erhält, auf die er seine Zustimmung zu seiner pflegerischen Versorgung und Behandlung gründen kann.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

n Die Pflegende behandelt jede persönliche Information vertraulich und geht verantwor-tungsvoll mit der Informationsweitergabe um.

 

n Die Pflegende ist mitverantwortlich für die Erhaltung und den Schutz der natürlichen Umwelt vor Ausbeutung, Verschmutzung, Abwertung und Zerstörung.

 

 

 

3.3 Pflegende in der Berufsausübung

 

 

 

n Die Pflegende ist persönlich verantwortlich und rechenschaftspflichtig für die Ausübung der Pflege sowie für die Wahrung ihrer fachlichen Kompetenz durch kontinuierliche Fortbildung.

 

n Die Pflegende achtet auf ihre eigene Gesundheit, um ihre Fähigkeit zur Berufsausübung zu erhalten und sie nicht zu beeinträchtigen.

 

n Die Pflegende gewährleistet bei der Ausübung ihrer beruflichen Tätigkeit, dass der Einsatz von Technologie und der Anwendung neuer wissenschaftlicher Erkenntnisse vereinbar sind mit der Sicherheit, der Würde und den Rechten der Menschen.

 

n Die Pflegende beurteilt die individuellen Fachkompetenzen, wenn sie Verantwortung übernimmt oder delegiert.

 

n Die Pflegende beteiligt sich aktiv an der Entwicklung beruflicher Kenntnisse, die auf Forschungsergebnissen basieren.

 

n Die Pflegende sorgt für eine gute Zusammenarbeit mit ihren Berufskolleginnen und den Mitarbeitenden anderer Bereiche.

 

 

 

 

 

4. Pflegemodell/ Pflegeverständnis

 

 

 

Die Grundlage des Pflegekonzepts bildet das Pflegemodell von Monika Krohwinkel. Ihr Pflegeverständnis sowie ihre Werthaltung den Bewohnenden und Angehörigen gegenüber deckt sich mit denjenigen unseres Betriebs.

 

Monika Krohwinkel ist Professorin für Pflege an der Fachhochschule Darmstadt. Sie

 

veröffentlichte erstmals 1984 ihr konzeptionelles Modell der Aktivitäten und existentiellen

 

Erfahrungen des Lebens. 1991 wurde das Modell in einer abgeschlossenen Studie an

 

Apoplexieerkrankten und deren Bezugspersonen erprobt und weiterentwickelt. Diese Studie

 

war die erste von einer Pflegenden durchgeführte wissenschaftliche Studie im Auftrag des

 

Bundesministeriums für Gesundheit in Deutschland. Sie befasste sich mit der ganzheitlich

 

rehabilitierenden Prozesspflege am Beispiel von Apoplexieerkrankten.

 

Das Modell von Monika Krohwinkel wird sehr stark beeinflusst von den

 

Pflegetheoretikerinnen Orem, Rogers, Peplau, Travelbee, Henderson, Logan und Thierney.

 

Inspiriert wurde sie auch von Theorien der Psychologen Maslow und Rogers.

 

 

 

Monika Krohwinkel macht folgende Kernaussagen in ihrem Konzept der fördernden

 

Prozesspflege:

 

 

 

Mensch:

 

Als Mensch wird der Bewohner sowie die Bezugspflegeperson bezeichnet. Krohwinkel sieht

 

den Menschen als „einheitliches, integrales ganzes, das mehr und anders ist als die Summe

 

seiner Teile, mit seiner Identität und Integrität“ (Rogers, 1970). Der Mensch ist ein durch

 

Erfahrung geprägtes Lebewesen und er ist fähig, sich zu entwickeln, zu wachsen und sich

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

selbst zu verwirklichen unabhängig von Alter, Krankheit und Behinderung

 

 

 

Umgebung:

 

In der ganzheitlichen Sicht ist die Umgebung der wesentliche Faktor für das Leben,

 

Gesundheit und Wohlbefinden. Mensch und Umgebung sind wechselseitig beeinflussende

 

Systeme. Zur Umgebung zählen neben allen Lebewesen, auch ökologische, physikalische,

 

materielle und gesellschaftliche Faktoren. Der Bedarf an Veränderungen der Umgebung wird

 

besonders deutlich im Bereich der Rehabilitation und beim Einzug in ein Pflegeinstitution.

 

 

 

Gesundheit und Krankheit:

 

 

 

Monika Krohwinkel definiert Krankheit und Gesundheit als dynamischen Prozess. Die

 

Pflegepersonen konzentrieren ihre Arbeit nicht nur auf medizinisch defizitäre Befunde, sondern

 

sie beziehen die Ressourcen des Menschen mit ein, die es zu stützen, zu fördern und zu

 

erhalten gilt. Als Gesundheit wird die Lebensqualität bezeichnet, die der pflegebedürftige

 

Mensch für sich als Wohlbefinden und Unabhängigkeit definiert.

 

 

 

Pflege

 

 

 

Die primär pflegerische Zielsetzung des Modells ist das Erhalten, Fördern bzw.

 

Wiedererlangen von Unabhängigkeit, Wohlbefinden und Lebensqualität des

 

pflegebedürftigen Menschen in seinen Aktivitäten und existentiellen Erfahrungen des Lebens.

 

Um dies umzusetzen, sind insbesondere die Fähigkeiten der pflegebedürftigen Person

 

und/oder ihre persönliche Bezugsperson (Angehörige/Lebenspartner/Freunde ) gezielt zu

 

erfassen, zu stützen und zu fördern.

 

 

 

Diese Ziele bleiben bestehen, unabhängig davon, ob der pflegebedürftige Mensch gesund,

 

krank, behindert oder sterbend ist.

 

Der professionellen Pflege stehen fünf grundlegende Methoden zur Hilfeleistung zur

 

Verfügung:

 

 Für den pflegebedürftigen Menschen handeln

 

 Ihn Führen und Leiten

 

 Für eine Umgebung sorgen, die einer positiven Entwicklung förderlich ist

 

 Ihn unterstützen

 

 Den pflegebedürftigen Menschen und seine Bezugsperson anleiten, beraten, und fördern

 

 

 

Das AEDL Strukturmodell:

 

 

 

Krohwinkel bringt pflegerische Bedürfnisse in Zusammenhang mit Aktivitäten und

 

existentielle Erfahrungen des Lebens, die sie in Ihrem Modell beschreibt. Sie benennt 13

 

Bereiche, die untereinander in Wechselbeziehung stehen, aber keiner Hierarchie unterliegen.

 

Um den Menschen ganzheitlich zu sehen, muss neben der jeweils einzelnen Betrachtung

 

jeder AEDL auch ihre Auswirkungen auf die anderen AEDL Bereiche berücksichtigt werden.

 

AEDL

 

 Kommunizieren können

 

 Sich bewegen können

 

 Vitale Funktionen aufrechterhalten

 

 Sich pflegen können

 

 Essen und Trinken können

 

 

 

 Ausscheiden können

 

 Sich kleiden können

 

 Ruhen, Schlafen und sich entspannen können

 

 Sich beschäftigen lernen und sich entwickeln können

 

 Sich als Mann oder Frau fühlen und verhalten können

 

 Für eine sichere und fördernde Umgebung sorgen können

 

 Soziale Bereiche des Lebens sichern und Beziehungen gestalten können

 

 Mit den existentiellen Erfahrungen des Lebens umgehen können

 

 

 

Eine Besonderheit stellen die die existentiellen Erfahrungen des Lebens dar. Der Mensch hat

 

im Laufe seines Lebens eine Reihe von Erfahrungen gesammelt, negative wie positive, die

 

sich in ähnlichen Situationen auf sein Leben auswirken. Erfahrungen aus seinem früheren

 

Leben können die Zufriedenheit, das psychische Wohlbefinden und die körperliche

 

Verfassung beeinflussen.

 

 

 

 

 

 

Existenzfördernde

Erfahrungen

 

 

Existenzgefährdende

Erfahrungen

 

Erfahrungen, die

existenzfördernd oder existenzgefährdend sein können

 

  • Wiedergewinnen von Unabhängigkeit
  • Zuversicht / Freude
  • Vertrauen
  • Integration
  • Sicherheit
  • Hoffnung
  • Wohlbefinden
  • Sinn finden

 

 

 

 

  • Verlust von Unabhängigkeit
  • Sorge / Trauer
  • Misstrauen
  • Trennung
  • Isolation
  • Ungewissheit
  • Hoffnungslosigkeit
  • Schmerzen / Sterben
  • Langeweile

 

  • Wiedergewinnen von Unabhängigkeit
  • Kulturgebundene Erfahrungen wie Weltanschauung, Glauben, Religionsausübung
  • Lebensgeschichtliche Erfahrungen

 

 

 

 

 

5 Der Pflegeprozess

 

 

 

Der Pflegeprozess beinhaltet, die Selbständigkeit der Bewohnenden so lange wie möglich zu erhalten, zu fördern und zu unterstützen. Er dient den Pflegefachpersonen dazu, ein möglichst umfassendes Bild des Bewohnenden zu erstellen, abzubilden und überprüfbar zu machen.

 

Im Sinne einer bewohnerorientierten und individuellen Pflege stellt die Arbeit mit dem Pflegeprozess eine wichtige Grundlage unserer pflegerischen Tätigkeit dar. Wir setzen Ziele, planen Pflegeinterventionen und führen diese mit der nötigen Fach-, Sozial- und Handlungskompetenz durch.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 
 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

5.1 Bewohnereintritt/- austritt

 

 

 

Für den Eintritts- und Austrittsprozess bestehen Standards. Diese sind für alle Mitarbeitenden einsehbar.

 

 

 

 

 

5.2 Pflegebedarfs- und Abklärungsinstrument BESA

 

 

 

Unsere Institution arbeitet mit dem Bedarfs- und Abklärungsinstrument BESA. Im Zentrum des BESA steht ein pflegerisch-geriatrisches Assessment. Dieses hilft den in der Pflege und Betreuung Tätigen, eine differenzierte Einschätzung vorhandener Ressourcen und bestehender Beeinträchtigungen der BewohnerInnen vorzunehmen und, darauf aufbauend, die erforderliche Pflege und Betreuung bedarfsgerecht zu planen.

 

 

 

 

 

5.3 Pflegeplanung

 

 

 

Die Pflegeplanung beinhaltet einen standardisierten und einen individuellen Teil. Entsprechend der Erhebung nach BESA und den individuellen Zielen werden die Pflegeleistungen (Massnahmen) festgelegt. Die Erhebung nach BESA und die Ziele werden mit den Bewohnenden und/oder deren Vertretungspersonen besprochen.

 

Die Pflegeplanungen werden ausschliesslich von Pflegefachpersonen erstellt. Die Überwachung des Pflegeprozesses liegt in der Verantwortung der dipl. Pflegefachpersonen (Tertiärstufe).

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

5.4 Durchführung der Grund- und Behandlungspflege

 

 

 

Die Aufgabenteilung kann im Team relativ frei vereinbart werden. Gegenseitige Übernahme von Aufgaben fällt dadurch leicht, dass im Team bedingt durch eine geringe Anzahl Bewohnende der Informationsfluss in der Regel hoch ist. Ein fallweises Zu-Zweit-Arbeiten ist leicht plan- und absprechbar.

 

Die Grundpflege wird ausgeführt von Mitarbeitenden aller Stufen. Die Behandlungspflege liegt ausschliesslich in der Verantwortung der Pflegefachpersonen. Die Gesamtverantwortung des Bereichs Pflege und Betreuung untersteht der Heimleitung und der co. Heimleitung sowie der stv. Leitung Pflege. Die Kompetenzen der Mitarbeitenden sind in den Stellenbeschreibungen definiert.

 

 

 

5.5 Evaluation der Pflege und Betreuung

 

 

 

Die Wirkung der Pflegeleistungen, der aktuelle Bedarf und die Ziele werden regelmässig und systematisch sowie bei Veränderungen des Gesundheitszustandes durch die Pflegefachpersonen (Tertiärstufe) evaluiert. Entsprechend dem Resultat erfolgt eine Anpassung der Massnahmen und eine Neudefinition der Pflegeplanung, ebenfalls wird die Pflegeeinstufung überprüft. Die Verantwortlichkeit betreffend Evaluationsprozess liegt bei der Heimleitung.

 

 

 

5.6 Fehlerkultur

 

 

 

Fehler können in unserer Institution vorkommen, auch wenn die Arbeit sorgfältig und nach bestem Wissen und Gewissen ausgeführt wird. Natürlich sind wir bestrebt, die Fehlerqote auf dem Minimum zu halten. Sollte ein Fehler passiert sein, soll er ohne Angst kommuniziert werden können und die Ursache für das Entstehen des Fehlers gesucht werden. Der Mitarbeitende reflektiert im Gespräch mit der Leitung Pflege und Betreuung die Situation und es wird besprochen, wie diese hätte verhindert werden können.

 

 

 

6 Schmerz

 

 

 

Wir legen allergrössten Wert auf ein bestmögliches Schmerzmanagement. Wir haben den Umgang mit Schmerzen im Palliative Care Konzept beschrieben, welches uns als Leitfaden dient.

 

 

 

 

 

7 Palliative Care

 

 

 

Bei gesundheitlichen Veränderungen sind uns die Werte der Palliative Care — umsorgt sein - Schmerzfreiheit - sich wohl fühlen - sehr wichtig.

 

Das Team Pflege und Betreuung kennt soweit wie möglich die Wünsche der Bewohnenden und seinen Bezugspersonen und setzt diese um. Als Grundlage für die palliative Pflege und Betreuung dient uns das Palliativ Konzept unseres Betriebes.

 

 

 

8 Betreuung von Menschen mit Demenz

 

 

 

In unserem Haus betreuen wir Menschen mit Demenz in der integrativen Wohnform. Es besteht keine geschlossene Wohngruppe oder geschlossene Abteilung.

 

Menschen, die eine hohe Weglauftendenz aufweisen, können bei uns nicht aufgenommen werden, wie auch Menschen mit grossem Aggressionspotential. Falls sich die genannten Symptome

 

 

 

 

 

verstärken und ein sozialverträgliches Zusammenleben auf der integrativen Abteilung unmöglich wird, muss ein Institutionswechsel mit geeigneter Wohnform in Betracht gezogen werden.

 

 

 

Als Leitfaden dient uns die Praxis Demenz nach Trunsberger. 

 

 

 

 

 

9 Bewegungseinschränkende Massnahmen

 

 

 

Zu bewegungseinschränkenden Massnahmen besteht in unserer Institution ein Standard.

 

Die Entscheidung, bewegungseinschränkende Massnahmen zu ergreifen werden in jedem Fall mit dem Arzt und den Angehörigen sowie auch mit dem Bewohnenden besprochen. Die Massnahmen werden in der Pflegedokumentation festgehalten und regelmässig überprüft. Das Einverständnis der Angehörigen und des Arztes wird mittels Leistung der Unterschrift bestätigt. Die bewegungseinschränkenden Massnahmen werden nur so lange angewendet, wie sie wirklich nötig sind. Die Massnahmen entsprechen den Weisungen des Departementes für Finanzen und Soziales betreffend Massnahmen zur Einschränkung der Bewegungsfreiheit in Wohn- und Pflegeeinrichtungen für Erwachsene.

 

 

 

10 Sturzprävention

 

 

 

Die Risikofaktoren von Stürzen sind ein Bestandteil des Einstufungssystems BESA. Diese werden ersichtlich in der Dokumentation. Bei sturzgefährdeten Bewohnenden wird das Gespräch mit dem Bewohnenden, dem Arzt und den Angehörigen gesucht und zusammen eine Verbesserung der Situation angestrebt. Es bleibt dabei abzuwägen und zu thematisieren, in welchem Mass die Autonomie des Bewohnenden zugunsten der Sicherheit angetastet werden soll und darf.

 

Die Bewohnerinnen und Bewohner sowie die Angehörigen werden vom Fachpersonal beraten, welche Hilfsmittel (z.B. Sturzprotektoren) Sinn machen können, um eine Minimierung des Sturzrisikos zu erreichen.

 

Stürze sind für die Bewohnenden ein traumatisches Ereignis, welches oft nachhaltig grosse Ängste vor einem erneuten Geschehen auslösen kann. Für die Verarbeitung von Sturzereignissen und den Abbau von Ängsten ist das Gespräch von Fachpersonen mit den betreffenden Bewohnenden und deren Angehörigen ein wichtiges Instrument.

 

 

 

Die systematische Erhebung findet mittels Sturzprotokoll statt, welches konsequent nach jedem Sturz von einer Pflegefachperson mittels Formular in der Pflegedokumentation ausgefüllt wird.

 

 

 

11 Aktivierung

 

 

 

Die Aktivierung wird an zwei Tagen in der Woche von einer Fachperson durchgeführt. Des Weiteren wir Aktivierung im Rahmen der täglichen Arbeit integriert und auch dokumentiert.

 

 

 

12 Freiwillige Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter

 

 

 

Freiwillige Helferinnen und Helfer sind eine wertvolle Unterstützung. Sie sind für unsere Bewohner da, um zuzuhören, Anteil zu nehmen oder um zu begleiten. Sie begegnen Menschen mit einer reichen Lebenserfahrung und arbeiten mit den professionellen Teams unseres Heimes zusammen. Die Heimleitung führt ein Erstgespräch mit neuen freiwilligen Helferinnen und Helfern und ist Ansprechperson für sie. In diesem ersten Gespräch geht es darum, gegenseitige Wünsche und Erwartungen zu klären, ebenso kann

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

beim persönlichen Treffen beurteilt werden, ob sich jemand für die Freiwilligenarbeit in unserem Haus eignet.

 

Die Freiwilligen Mitarbeitenden kennen ihre Rechte und Pflichten. Sie werden z. B. über die Schweigepflicht informiert vor dem ersten Einsatz. Freiwillige Mitarbeitende sind jedes Jahr zu einem geselligen Anlass mit Speis und Trank eingeladen, was viele wertvolle Austauschmöglichkeiten bietet. In unserem Haus werden die Freiwilligen Mitarbeitenden vorwiegend in der Cafeteria eingesetzt oder besuchen Bewohnerinnen und Bewohner, die nicht viel Besuch haben und trinken mit ihnen einen Kaffee, unterhalten sich und gehen bei geeigneter Witterung ins Freie für einen Spaziergang. Für die Pflege und Betreuung werden die Freiwilligen Mitarbeitenden nicht eingesetzt, da für diese Aufgaben die professionellen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zuständig sind.

 

Bei Problemen oder Unsicherheiten können sich die freiwilligen Mitarbeitenden jederzeit beim Pflegepersonal oder der Leitung Pflege und Betreuung melden.

 

 

 

13 Qualitätssicherung

 

 

 

Zur Qualitätssicherung und Qualitätsentwicklung verwenden wir das Instrument „Qualivista“.

 

 

 

13.1 Medizinische Versorgung.

 

 

 

n Die Bewohnenden haben freie Arztwahl. Das Alters- und Pflegeheim Egnach stellt bei pflegebedürftigen Bewohnenden die Bedingung, dass der behandelnde Arzt auch Hausbesuche in unserer Institution macht.

 

n Unser Heimarzt steht Mitarbeitenden in fachlichen Belangen zur Seite und behandelt auch eine Vielzahl der Bewohnerinnen und Bewohner in unserer Institution oder in seiner nahe gelegenen Arztpraxis.

 

n Anlässlich herausfordernder Pflegesituationen ziehen wir entsprechend ausgebildete Konsiliarärzte bei.

 

n Wir arbeiten eng mit den verschiedenen Spitälern zusammen.

 

 

 

 

 

 

 

13.2 Pflegestandards

 

 

 

Unsere definierten Pflegestandards werden kontinuierlich überarbeitet und aktualisiert. Weitere Standards werden je nach Prozess und Bedarf erarbeitet.

 

 

 

 

 

13.3 Pflegerapporte

 

 

 

Die Rapportstrukturen sind geregelt und themenorientiert. Es finden zeitgebundene Informations- und Austauschrapporte statt. Bei Schichtübergaben finden bewohnerbezogene Kurzrapporte statt.

 

 

 

13.4 Pflegedokumentation

 

 

 

Die Pflegedokumentation ist für die Pflegenden ein wichtiges und verbindliches Arbeitsinstrument, welches als Dokument geführt werden muss. Die gesamten Bewohnerinformationen sind eingebunden in den Pflegeprozess.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Die Pflegedokumentation wird schriftlich geführt (IQP Pflegedok). Papier-Dokumente zur Pflegedokumentation befinden sich in einer abgeschlossenen Ablage.

 

 

 

13.5 Einarbeitung von neuen Mitarbeitenden

 

 

 

Die Einarbeitung von neuen Mitarbeitenden ist klar strukturiert und wird mit den entsprechenden Hilfsmitteln (Checklisten ) unterstützt.

 

 

 

13.6 Mitarbeitergespräche und Mitarbeiterbeurteilungen

 

 

 

Sie finden mindestens einmal jährlich in Form des Mitarbeitergesprächs  statt, anhand eines klar strukturierten Ablaufes. Das entsprechende Arbeitsinstrument ist vorhanden. Es sind individuelle Ziele gesetzt, welche evaluiert werden.

 

 

 

13.7 Stellenbeschreibung

 

 

 

Für jede Funktion innerhalb des Pflegebereichs besteht eine Stellenbeschreibung, die jährlich anlässlich des Mitarbeitergesprächs überprüft und allenfalls überarbeitet wird.

 

 

 

13.8 Ausbildung

 

 

 

Das Alters- und Pflegeheim Egnach ist ein Lehrbetrieb für Fachangestelle Gesundheit. Die Ausbildung richtet sich nach den Vorgaben der OdA GS Thurgau.

 

Lernende spornen für eine aktive Auseinandersetzung mit verschiedenen Abläufen und Themen an, was zu einer Bereicherung und stetigen Weiterentwicklung führt.

 

 

 

 

 

 

 

13.9 Fort- und Weiterbildung

 

 

 

Die Förderung und Weiterentwicklung unserer Mitarbeitenden ist uns ein grosses Anliegen. Fort- und Weiterbildungen orientieren sich gezielt an Betreuungs-, Pflege-, gerontopsychiatrischen wie medizinischen Themen und dienen der Qualitätssicherung. Zu den immer wiederkehrenden Fortbildungsthemen gehören u.a.: Kinästhetik, Validation, Sturzprophylaxe, Themen der Palliative Care, Schmerzmanagement, Wundmanagement, bewegungseinschränkende Massnahmen und die Zusammenarbeit mit Angehörigen. Themen, die den Teamprozess fördern wie zum Beispiel Konfliktmanagement, Gesundheitsförderung und Arbeitsorganisation gehören ebenfalls zu unserem Weiterbildungsangebot.

 

 

 

14 Umsetzung

 

 

 

Dieses Pflegekonzept ist allen Pflegemitarbeitenden bekannt und wird ihnen bei Stellenantritt abgegeben. Das Pflegekonzept wird den Entwicklungen und Erkenntnissen der Pflege im sinnvollen Rahmen angepasst. Der Evaluationsprozess wird regelmässig geplant und durchgeführt und liegt in der Verantwortung der Co- Heimleitung und sowie der Heimleitung.

 

 

 

15 Beschwerde

 

 

 

In Institutionen kann es zwischen den Beteiligten zu Spannungen, Missverständnissen und Konflikten kommen. Wer auf Pflege und Unterstützung angewiesen ist, soll sich für seine

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Rechte einsetzen dürfen. Alle Bewohnerinnen und Bewohner haben das Recht, sich formlos gegen eine unangemessene Behandlung zu beschweren. Die Aufsicht innerhalb des Heims

 

wird durch die Heimleitung, co- Heimleitung und stv. Pflegeleitung wahrgenommen. Als letzte Beschwerdeinstanz ist das Departement für Gesundheit des Kantons Thurgau zuständig. Der formelle Beschwerdeweg ist im Heimreglement beschrieben, welches beim Heimeintritt jedem Bewohnenden abgegeben wird.

 

 

 

 

 

16 Abschluss / Autoren

 

 

 

Datum der Erstellung: 03. Januar 2017

 

……………………..……………………...........................

 

 

 

Heimleitung: Heinz Gross Co Heimleitung Rita Heeb

 

 

 

………………………………………………..……..……

 

Datum der Überprüfungen: 03. Januar 2018

 

 

 

 

 

 

 

 

 

17 Literaturverzeichnis

 

 

 

Pflege Heute, Lehrbuch für Pflegeberufe, 5 Auflage 2011

 

Monika Krohwinkel, Fördernde Prozesspflege mit integrierten ABEDLs, Bern Huber

 

Curaviva Thurgau, Grundlagenkonzept Palliative Care 2013

 

Gesundheitsgesetz 810.1 Gesetz über das Gesundheitswesen vom 05.06.1985 (Stand 01.01.2013)

 

Held, C. & Ermini-Fünfschilling, D. (2006). Das demenzgerechte Heim. Lebensraumgestaltung, Betreuung und Pflege für Menschen mit Alzheimerkrankheit. Basel: Karger AG.

 

Kitwood, T. (2008). Demenz. Der personenzentrierte Ansatz im Umgang mit verwirrten Menschen. Bern: Huber.

 

Knipping, C. (Hrsg.), Lehrbuch Palliative Care. (2. Aufl., S. 134ff). Bern: Huber.

 

Kostrzewa, S. (2005). Palliative Pflege von Menschen mit Demenz. Bern: Huber.

 

Schweizerischer Berufsverband der Pflegefachfrauen und Pflegefachmänner, (1994): Qualitätsnormen für die Pflege (Pflegestandards)

 

Schweizerischer Berufsverbund der Pflegefachfrauen und Pflegefachmänner, SBK (2006). Ethik in der Pflegepraxis, Bern.

 

Schweizerische Akademie der Medizinischen Wissenschaft SAMW, (2004): Behandlung und Betreuung von älteren, pflegebedürftigen Menschen

 

Schweizerische Akademie der Medizinischen Wissenschaften, SAMW (2013). Palliative Care – Medizinisch-ethische Richtlinien und Empfehlungen. Muttenz: Schwabe.

 

 

 

 

 

 

 

Schweizerische Akademie für Medizinische Wissenschaften, SAMW, (2013). Patientenverfügung. Medizin-ethische Richtlinien und Empfehlungen. Muttenz: Schwabe.

 

Schweizerischer Berufsverband der Pflegefachfrauen und Pflegefachmänner SBK (2001): Pflege und Behandlung in der Endphase des Lebens: Gemeinsame Erklärung SBK/FMH. Zugriff am 06.02.2013 auf www.sbk-asi.ch.

 

Departement für Finanzen und Soziales, Weisungen des Departementes für Finanzen und Soziales betreffend die Bewilligung und den Betrieb von Einrichtungen für pflegebedürftige Menschen (Pflegeheim), 1. Juli 2012

 

 

 

 

 

 

 

Schweizerischer Berufsverband der Pflegefachfrauen und Pflegefachmänner, (1994): Qualitätsnormen für die Pflege und Begleitung von alten Menschen

 

Departement für Finanzen und Soziales, Weisungen des Departementes für Finanzen und Soziales betreffend Massnahmen zur Einschränkung der Bewegungsfreiheit in Wohn- und Pflegeeinrichtungen für Erwachsene

 

Curaviva Thurgau, Betreuungskonzept für Menschen mit einer dementiellen Erkrankung.

 

Demenz für die Praxis, R. Trunsberger

 

Alterspflegeheim Egnach 

Seewiesenstrasse 10a

9322 Egnach

Tel: 071 / 477 11 72

info@aph-egnach.ch